
Es gibt ihn wirklich, den Hundehimmel
Hallo Freunde,
jetzt bin ich ihn also gegangen, den Weg zu einem Ort voller Licht und Liebe, von dem wir immer schon mal sprachen. Und ich durfte ihn ohne Qual und frei von Schmerzen gehen.
Und als ich ankam, fühlte ich mich ganz friedlich, frei und glücklich.
Nur - als ich mich dann ein bisschen umgeschaut hatte, wurde mir klar, dass ich ganz dringend gebraucht wurde hier. Alles ging drunter und drüber, jeder spielte mit jedem – keine Ordnung und keine Hierarchie! Nun ja, das bin ich ja noch von meinem Erdenleben gewohnt – auch da musste ich ja nicht selten erst mal die Regeln festlegen, bevor alles in geordneten Bahnen verlief. Also habe ich mich dann auch gleich an die Arbeit gemacht. Und, ohne mich loben zu wollen – es ist jetzt noch gemütlicher und friedvoller hier.
Allerdings kam dann irgendwann dieser wirklich imposante, rotblonde Vertreter meiner Rasse und stupste mich recht nachdrücklich in den Nacken und grollte, jetzt sei es ordentlich genug und noch sei er hier der Boss! Und als ich schon ein paar Widerworte knurren wollte, fügte er noch hinzu, dass er außerdem mein Großvater sei und das hätte ich ja wohl zu respektieren … Ohhh – das war natürlich etwas ganz anderes und eigentlich war ich ja auch mittlerweile ein bisschen müde geworden. Also habe ich ihm noch schnell gesagt, wie sehr ich mich freue, ihn kennen zu lernen und selbstverständlich würde auch ich ihn respektieren und dann habe ich mich ein bisschen zum Dösen zurückgezogen.
Und bevor ich hier ein ganz neues Leben beginne, möchte ich doch noch einmal über mein Erdenleben nachdenken.
Ich war immer ein glücklicher Hund, schon ganz von Anfang an. Meine Mama war toll, die Zeit mit meinen Geschwistern war aufregend und meine Züchterfamilie hatte ich richtig lieb (ich hab mich noch im November 2003 ganz doll gefreut, Inge und Peter Krümmel wieder zu sehen!). Und als ich Karin und Michael damals kennen lernte und das erste Mal bei Karin auf dem Schoß saß, habe ich gleich gewittert, dass sie mich sofort ganz, ganz lieb hatte und ich wusste, dass es keine Schwierigkeiten geben würde, sie restlos um meine Pfoten zu wickeln.
Was dann geschah? Ich habe natürlich recht behalten ! Ich war ein glückliches Hundekind – nie wurde ich alleine gelassen, sondern überall mit hingeschleppt (und bewundert und ausgiebig beschmust natürlich …). Das war total aufregend und spannend – ich bin schließlich ein aufgewecktes und neugieriges Hundekind gewesen. Bloss hin und wieder musste ich ausruhen, obwohl ich noch gar nicht müde war, hmmm – angeblich, damit ich groß und stark wurde. Ok, hat ja wohl gewirkt, ich bin groß, stark und sehr schön geworden.
Und zuhause durfte ich überall rumschnüffeln und spielen. Und schlafen, wann und wo ich wollte. Und das Fressen war einfach klasse, auch wenn Michael bis zum Schluss die Nase gerümpft hat über meinen grünen Pansen (warum eigentlich ? riecht doch super !) Na ja, auf das Gemüse und Flockenzeugs hätte ich verzichten können – habe ich ja dann auch aussortiert, wenn es mir zu viel wurde …. Später hat mein verfressener Sohn mir dann dabei geholfen – wirklich Freunde, der frisst doch alles ! Für mich war das natürlich praktisch, ich hab' einfach alles, was ich nicht mochte, für ihn in der Schüssel gelassen
Als ich erwachsen wurde – Flegeljahre nannten sie das, warum wohl ?? – gab es dann doch hin und wieder kleine Unstimmigkeiten zwischen meinen Menschen und mir. Rückblickend war es ganz schön schwierig, den beiden begreiflich zu machen, dass ein Hund eben tun muss, was ein Hund tun muss. Ich glaube, so ganz begriffen haben sie es nie. Ich bin aber ja mit zunehmendem Alter sehr viel schlauer geworden und hab' es dann halt so aussehen lassen, als seien sie die Chefs und ich der Hund. Ja, ja, der Hund war ich natürlich, aber alles andere ….
Doch, ich hatte eine wirklich glückliche Zeit da auf der Erde.
Es hat keinen Tag gegeben, an dem ich nicht wusste, ich werde geliebt. Und im Vergleich zu vielen meiner Bekannten war ich bei Wind und Wetter immer draußen unterwegs und richtig lange unterwegs. Manchmal meinte Karin: Danny, schau' mal wie das regnet und stürmt da draußen… lass uns heute nur die kleine Babyrunde gehen. Aber alleine dadurch, dass ich so glücklich draußen war, habe ich es eigentlich immer geschafft, sie davon zu überzeugen, dass auch eine Babyrunde ein, zwei Stunden dauern kann
Und dann die Abwechslung …
Michael war ja immer eher berechenbar – den konnte man regelmäßig (und pünktlich !) morgens mit zur ersten Runde in mein Revier rund um den Liedberg nehmen. Das war immer sehr schön und wirklich wichtig - schließlich musste ich ja den Überblick behalten, wer möglicherweise Anstalten macht, sich in meinem Revier breit zu machen, um dann sofort und rechtzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Nachmittags war dann Karin dran – eher nicht so berechenbar und auch nicht so pünktlich! Dafür hatte sie aber tolle Ideen, wo wir immer neue, aufregende und spannende Abenteuer erleben konnten. Wenn das Wetter schön war, haben wir uns oft den ganzen Nachmittag mit alten und neuen Freunden an irgendeinem See oder Fluss vergnügt. Ich liebe das Wasser – Gott sei Dank gibt es jetzt hier auch genug davon … und Freunde ebenfalls.
Natürlich bin ich auch immer mit in Urlaub gefahren – obwohl, das wäre eigentlich gar nicht nötig gewesen, so schön wie es zuhause immer war. Und dann diese Gepäckberge – alleine die Kühlboxen mit meinem Futter nahmen so viel Platz weg ! Völlig überflüssig, schließlich hätte ich gerne auch mal Trockenfutter genommen. Aber was Karin nicht wollte, wollte sie nicht – da war sie fast so stur wie ich, Kompliment – das will 'was heißen !
Was habe ich noch vergessen ? Ach ja, ins Bett und auf die Couch durfte ich natürlich auch ! Nicht, dass ich das wirklich gewollt hätte – war eigentlich viel zu warm und unbequem. Aber dennoch habe ich natürlich des öfteren auf diesem Privileg bestanden – einfach nur um klarzustellen, dass ich es darf ! Ich sage Euch, es ist ein echt gutes Gefühl, auch derart unsinnige Ansprüche problemlos durchzusetzen …
Nur in einigen Dingen waren meine Menschen einfach unbelehrbar, oder auch vielleicht nur ungeschickt – ich weiß es nicht genau.
Nehmen wir nur mal die Hopfen-Pflanzen, die Karin freundlicherweise für uns gekauft und eingepflanzt hat. Obwohl ich schnellstmöglich alle Blätter entfernt habe, die den Hopfen am Wachsen hindern könnten, wollte er einfach nicht wachsen und gedeihen. Irgendwas muss sie da völlig falsch gemacht haben ! (mit den Hibiskus-Pflanzen hatte sie übrigens genauso wenig Glück und auch da habe ich geholfen, so gut ich konnte) Vielleicht hat sie einfach keinen 'grünen Daumen' …
Oder die Sache mit den Brötchen. Ich habe ja nun wirklich selten genug meinen Anspruch auf das Fleisch auf ihren Tellern angemeldet. Trotzdem haben sie mich entweder völlig ignoriert, oder ich bekam ein Brötchen aus der Alt-Brot-Tüte …. Ein altes Brötchen - wieso haben sie bloss nie begriffen, dass ich nicht vor ihrem Teller, sondern vor der Brötchen-Tüte gestanden hätte, wenn ich denn so ein blödes, altes Brötchen gewollt hätte !??
Und dann die Schafe. Jeder Hund – okay, jeder schlaue Hovi – weiß, dass Schafe in der Herde zusammengehalten werden müssen. Und wenn die da so ziellos verstreut auf einer Wiese rumliefen, musste ich doch eingreifen und sie zusammentreiben. Oder ? Das konnte Karin auch nie verstehen und dann kam sie angerannt, mit wehender Jacke durch die matschigsten Wiesen. Und was für ein Geschrei sie dann mit hochrotem Kopf angestimmt hat!! Kein Wunder, dass der Schäfer jedes Mal richtig sauer wurde und Angst um seine Schafe hatte. So benimmt Mensch sich doch auch nicht in der Nähe dieser empfindlichen Geschöpfe !!
Aber total merkwürdig fand ich, dass sie die Geschichte mit der Terrassentüre nicht begreifen konnten. So eine einfache Sache – aber na ja …. Ich habe immer höflich an die Scheibe geklopft, wenn es mal wieder Zeit war, im Garten nach dem Rechten zu sehen. Manchmal musste ich auch etwas nachdrücklicher klopfen, aber das haben sie dann begriffen und die Türe wurde geöffnet. Ich habe dann meine Runde im Garten gedreht und wollte eigentlich noch ein bisschen auf der Terrasse wachen, aber schon war die Türe ins Wohnzimmer wieder zu ! Also habe ich wieder freundlich geklopft, damit sie denn die Türe wieder öffnen. Das haben sie auch gemacht und ich konnte mich umdrehen und mich auf die Terrasse legen. Bloß – ich lag noch nicht ganz, da ging die Türe wieder zu. Vielleicht haben sie das ja irgendwie für ein witziges Spiel gehalten, weil ich dann unverdrossen wieder an die Türe ging und forderte, sie doch bitte endlich aufzumachen. Aber ich muss gestehen, es ist mir äußerst selten gelungen, bei offener Türe in Ruhe auf der Terrasse zu liegen. Eigentlich nur im Sommer – und da war es meistens wirklich zu heiß, so dass ich lieber drinnen blieb. Komische Sache …
Ach ja, und diese freundlichen Reiher hier in unserer Gegend ….Die mochte Karin überhaupt nicht leiden und ich verstehe nicht, warum. Sie waren immer so nett und haben reichlich von ihren toten Fischen auf die Wiesen und Felder getragen und dann dort vergessen. Vielleicht haben sie sie auch einfach nicht wiedergefunden – schließlich haben sie wohl kaum eine so gute Nase wie ich !! Ich habe die Fische - oder jedenfalls das, was davon übrig war – schon Meter und Meter im Voraus gerochen, so dass auch immer genug Zeit blieb, Karin auszutricksen und in Ruhe dieses wundervolle Parfum aufzulegen. Ach, was habe ich gut gerochen !!! Ich begreife ja schon irgendwie, dass Karin empört war – für so intensives, lange haftendes Parfüm muss sie ein Heidengeld ausgeben … meines war ganz umsonst
Ja, es war eine schöne Zeit auf der Erde! Mit meinen lieben Menschen und mit meinem lieben, nur ganz manchmal lästigen, Sohn. Das war übrigens auch ganz toll – ich durfte zwar nicht so oft Mutter werden, wie ich wollte, aber immerhin doch zweimal. Das habe ich wirklich sehr genossen und ich bin auch richtig stolz auf meinen Nachwuchs ! Die Kinder haben sich prima entwickelt und sind alle gut untergebracht und ich weiß, Karin hat an meiner Stelle ein wachsames Auge auf sie. Und irgendwie scheint sie noch stolzer auf die Kinder zu sein als ich …Und die Katzen konnte man gelegentlich so wundervoll zanken. Nur spaßeshalber natürlich …
Aber es heißt ja immer 'Wenn es am schönsten ist, dann soll man gehen' – das habe ich gemacht, ich hatte Spaß und Freude am Erdenleben wirklich bis zum letzten Schluss - Jetzt fange ich hier neu und schicke allen, die mein Leben so bereichert haben hiermit einen lieben Gruß und ein Dankeschön –
ich hatte Euch sehr lieb - und danke, dass Ihr mich geliebt habt !
Eure Danny
Viel zu früh und viel zu plötzlich starb am 20. November 2003 unsere Prinzessin
Desana vom Rothenbruch
* 31. Januar 1995
Mitglied im
VHH e.V.